Eigen-Werbung: der pure Horror

Geben Sie’s zu, auch Sie sind ein bisschen eitel. Jeder von uns ist es. Und wir fühlen uns geschmeichelt, wenn unser Name irgendwo lobend in einer Zeitung erwähnt wird. Wenn wir im Fernsehen zufällig einen Haarbüschel von uns in einer Menschenmenge entdecken. Oder wenn wir gar mal als Statist in einer Filmproduktion für Sekundenbruchteile durchs Bild huschen dürfen.

Natürlich nutzt Werbung seit jeher gezielt unsere narzisstische Ader aus. Und jetzt, in der Zeit der sozialen Netzwerke, wird das alles sogar noch viel einfacher – und wirkungsvoller. Der Schweizer TV-Anbieter Swisscom TV beispielsweise macht Facebook-User zu Filmstars: Ein paar Mausklicks genügen, und schon ziert der eigene Name Vorspann und Credits des hollywoodreif inszenierten Horrorfilm-Trailers „Lost in Val Sinestra“. Man fungiert dabei als Produzent des gelungenen Streifens und agiert gleichzeitig als Oberbösewicht. Das Hochladen des eigenen Porträtfotos bereitet einen Schockmoment vor, der sich gewaschen hat.

Doch damit nicht genug: Während der User sein persönliches „Lost in Val Sinestra“ kreiert, können automatisch oder manuell Facebook-Nutzer aus der Freundesliste als Darsteller integriert werden. Und damit hat Swisscom TV sein virales Ziel schon fast erreicht.

„Schaut mal, wir sind alle gemeinsam in einem Film“, werden die meisten „Produzenten“ ihr Machwerk zumindest an die „Schauspieler-Kollegen“ unter den Facebook-Freunden weiterleiten. Wahrscheinlich bekommt jedoch der gesamte Bekanntenkreis den Horrorstreifen zu sehen. Die allgemeine Begeisterung schlägt hohe Wellen, dutzende weiterer Versionen von „Lost in Val Sinestra“ werden zusammengestöpselt und in alle Welt verschickt. Im Abspann des Trailers lockt dann das Swisscom-TV-Logo zum Anklicken – in der Hoffnung, dort weiteres Material zum Gestalten eigener Filme zu finden. Doch letztendlich landet dann jeder User auf der Homepage des Schweizer Unternehmens und kann sich in aller Ruhe über das umfangreiche TV-Angebot informieren.

Klick: Lost in Val Sinestra

Auch ich bin den Schweizern in die virale Falle gegangen – und es hat Spaß gemacht, die eigenen Freunde und sich selber in einem professionell produzierten Trailer zu sehen. Wenn ich jetzt noch auf der Suche nach einem Film-TV-Anbieter wäre …

Weitere Texte dieser Art gibt es bei den Agenten des guten Geschmacks.

Kategorie: Allgemein, Skurriles Comments Off on Eigen-Werbung: der pure Horror

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